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Nach dem Tod des Gründers des Kirpal Ruhani Satsang, Sant Kirpal Singh +1974, kommt es zu Nachfolgestreitigkeiten um das spirituelle Erbe, das letztlich mit der Aufspaltung in drei größere Nachfolgezweige sowie weiteren Abspaltungen und Plagiaten endet. Eine Nachfolgelinie ist die von Sant Thakar Singh 1976 gegründete ‚Kirpal Ruhani Satsang Society’, die er 1992 in das heutige Netzwerk nationaler Holosophischer Gesellschaften mit dem Dachverband ‚Holosophic Society International’ umwandelt.
Der Gründer Sant Thakar Singh (1929-2005)Sant Thakar Singh stammt aus einer Sikh-Familie im nordindischen Punjab. Der Ingenieur für Wasserbauwesen im indischen Staatsdienst erweist sich als großer Kenner der Heiligen Schrift der Sikhs, den Adi Granth. Nach einigen Bekehrungserlebnissen wird er 1965 von Sant Kirpal Singh initiiert. Nach dessen Tod 1974 beansprucht er das spirituelle Erbe. Seit 1976 führt er selbst Einweihungen durch, anfänglich noch Tonband-Initiationen seines Lehrers. Er entwickelt eine rege Reise- und Missionstätigkeit in Europa, die zu vielen Zentrumsgründungen führen. Durch eine lockere Einweihungspraxis wächst die Zahl der Mitglieder rasant an. Ab 1992 zieht sich Thakar Singh immer mehr vom öffentlichen Leben zurück, um sich mehr der Meditation zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt werden gegen ihn von Anhängerinnen und Kritikern sexueller Missbrauch, gewalttätige Exorzismen und unmenschliche Kindermeditation vorgeworfen, die aber nicht juristisch ausgefochten werden. Ab 1996 finden in Jesolo/Italien jährliche ‚Eurotreats’ statt. Kurz vor seinem Tod ernennt er 2005 seinen Schüler Baljint Singh öffentlich als seinen rechtmäßigen Nachfolger. Sant Thakar Singh genießt unter seinen Initiierten hohes Ansehen. Einige Kritiker und ehemalige Anhänger nennen ihn hingegen einen „Skandalguru“.
Der gegenwärtige Meister Sant Baljint SinghDer 1962 in Nalgal geborene Hindu Sant Baljit Singh wird 1998 von Sant Thakar Singh eingeweiht und nach einer Zeit des Rückzuges und der Meditation 2005 zum Nachfolger gekürt. Sant Baljit Singh ist verheiratet und Vater eines Kindes; er lebt aber von Frau und Kind getrennt. Baljit Singh tritt für klarere Ordnungen ein. So bestimmte er, dass die Praxis des Sant Mat eine Probezeit voraussetzt und ausschließlich für Erwachsene bestimmt ist.
Der lebende Meister (Satguru)Nach der Sant Mat Lehre hat der Satguru das Wesen der höchsten Gottheit als Licht und Klang erfahren. Nur er kann die von ihm geweihten Schüler zu dieser Erfahrung führen. Bei der Einweihung öffnet der Guru dem Schüler das ‚dritte Auge’, das in der Stirnmitte, zugleich auch Sitz der Seele, angesiedelt ist, um die Seele zu verwandeln. Der Meister ist der Seelenführer des Schülers, der das Karma (= die Summer aller guten und schlechter Taten) aus früheren und gegenwärtigen Leben abtragen und zum Aufstieg zu Gott zu führen kann. Der lebende Meister ist in Einheit mit Gott: „Der Meister ist in Gott und Gott ist im Meister. Es besteht kein Unterschied zwischen ihnen.“ (Kirpal Singh).
Meditation und ethische LebensweiseDer Schüler hat drei Meditationsübungen zu befolgen und zu verinnerlichen:
- Simran: Das ständige Rezitieren der fünf heiligen Gottesnamen Jot Niranjan, Onkar, Rarankar, Sohang und Sat Naam führt zur Abwehr negativer Kräfte und zum Aufstieg in die spirituellen Regionen bis zur höchsten Sphäre.
- Dhyan: In der Sehmeditation - evt. unterstützt durch eine Augenbinde - wird die Konzentration auf die Erfahrung des inneren Lichtstroms geübt.
- Bhajan: Die Hörmeditation zielt auf das innere Lauschen auf den göttlichen Klangstrom ab, der sich durch bestimmte Geräusche äußert. Durch diese Meditationsübungen kann sich die unpersönliche Seele mit ihrem höheren Selbst vereinen. Ein spirituelles Tagebuch soll helfen, die Fortschritte der Meditation zu überprüfen. Konsequenz ist eine ethische Lebensweise, die ehrlichen Lebensunterhalt, selbstlosen Dienst und vegetarische Ernährung beinhaltet.
Organisation und VerbreitungDie Holosophischen Gesellschaften in Europa gehören dem Dachverband ‚Holosophic Society International’ mit Sitz in Maastricht an. In Asien und Amerika tritt die Bewegung als ‚Know Thyself As Soul Foundation’ auf. In Österreich ist die HS seit 1992 ein eingetragener Verein mit etwa 110 Mitgliedern, der für Öffentlichkeitsarbeit, Programmerstellung, Finanzen und Gemeinschaftsarbeit zuständig ist. Zudem hat jedes Meditationszentrum ein verantwortliches Team. Jede Nation hat eine autorisierte Repräsentation; in Österreich befindet sich diese in Wien. Gegenwärtig gibt es in Österreich acht Sant Mat Zentren der HS: Wien, Linz, Wels, Frankenmarkt, Graz, Klagenfurt, Villach, Feldkirch. Die Zahl der Praktizierenden beträgt etwa 400; Tendenz eher rückläufig.
Internet: www.santmat.at, www.santmat.net
Ausführlicher: Gerhard Weber, Sant Mat - Holosophische Gesellschaft, in: Neureligionen im Wandel, Werkmappe "Sekten, religiöse Sondergemeinschaften, Weltanschauungen" Nr.98, S. 35-47, Wien 2011
(Gerhard Weber, 2011)
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