Für Zeugen Jehovas steht das Ende der Welt unmittelbar bevor. Sie sind überzeugt "binnen kurzem wird das gegenwärtige böse und gesetzlose System der Dinge abgelöst". Die noch vorhandene Zeit wird genützt, möglichst viele Menschen für einen Beitritt zu den Zeugen Jehovas zu gewinnen; ihr Missionseifer richtet sich gegen un- und andersgläubige Menschen.
Um 1870 kam in den USA der Kaufmannssohn Charles T. Russell (1852-1916) zur Überzeugung, die Bibel sei von Gott inspiriert und alle Zukunftsaussagen, die darin enthalten seien, ergeben einen vollständigen Plan über das Bevorstehende; er gründete den Verlag "Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft" und "Bibelforscher"-Kreise. Seine Anhänger wurden in den USA als "Russellleute" bezeichnet."
Charles T. Russell hatte aus der Bibel für 1914 das Ende der Welt berechnet; die Krise wegen des Ausbleibens des Endes wurde überwunden. Der Nachfolger, Joseph F. Rutherford (1869-1942) prägte den Namen "Jehovas Zeugen" und baute eine strenge Autoritätsstruktur auf, die Theokratische Organisation. Die Bibelauslegung konzentrierte sich nicht mehr auf die Chronologie des Kommens Jesu alleine, sondern ebenso stark auf die irdische Wachtturm-Organisation.
Die Zeugen Jehovas bieten auf der Straße die Zeitschriften "Der Wachtturm" und "Erwachet!" an und machen regelmäßig Hausbesuche; so kommt es, dass Zeugen Jehovas bekannt sind. Nach der Botschaft der Zeugen steht das Ende in Kürze bevor. Um sich vor weiteren Fehleinschätzungen zu schützen, gestehen sie heute offen ein, dass sie "nicht wissen, an welchem Tag der Herr kommen wird". Zeugen Jehovas glauben, dass sie ewig im Paradies leben werden, während alle "Gottlosen" und bösen Menschen vernichtet werden. Diese - dem Anschein nach mit biblischen Argumenten gestützte - Drohbotschaft spekuliert mit der Verunsicherung.
* Zeugen Jehovas sehen in Jesus das einzige direkte Geschöpf Gottes; er war vor seiner Menschwerdung der Erzengel Michael, hat seine Geistnatur aufgegeben und wurde der sterbliche Mensch Jesus. Nach seinem Tod wurde er zu einem unsterblichen Geistwesen.
- Wir Christen glauben: Jesus ist wahrhaft Gott. Das Evangelium sagt über ihn: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott" (Joh 1,1). Jesus ist aber auch wahrhaft Mensch. Bei seiner Menschwerdung hat er sich seiner Gottgleichheit "entäußert", er "wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen..." (Phil 2,7).
* Die Leugnung der Gottheit Christi führt zur Ablehnung der Dreifaltigkeitslehre. Jehova gilt als Eigenname für einen allmächtigen Gott. Zeugen Jehovas haben diesen Namen in der Bibel anstelle aller anderen Gottesbezeichnungen (z.B. Gott, Herr) gesetzt.
- Das Zeugnis des Neuen Testamentes kennt das dreigliedrige Glaubensbekenntnis.. Als Taufformel (Mt 28,19: "Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes") oder als Segen (2 Kor 13,13: "Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes"). Im Neuen Testament kommt "Jehova" tatsächlich nie vor.
* Die Zeugen Jehovas haben eine ganz eigenwillige Lehre über den Himmel; nur 144.000 erreichen diese Stufe der Seligkeit. Diese regieren den Rest der Zeugen Jehovas, welche die irdische Ewigkeit auf einer neuen Erde erlangen werden, dem wiederhergestellten Paradies. Wer nicht zu den Zeugen Jehovas zählt, wird aus dem "Gedächtnis Gottes" ausgelöscht werden und fällt daher in die Nichtexistenz.
- Die Bibel nennt nicht nur die symbolische Zahl 144.000 (Offb 7,4), sondern spricht anschließend von der "großen Schar, die niemand zählen konnte" (Offb 7,9), die bei Christus ist. Alle werden auferstehen: "die das Böse getan haben, zum Gericht" (Joh 5,29); "sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben" (Mt 25,46).
* Die Wachtturmgesellschaft verfügt über humanitäre Hilfskomitees, deren Ziel vor allem die Unterstützung von Glaubensbrüdern ist; das Engagement ihrer Mitglieder bei weltlichen Sozialeinrichtungen ist gering.
* Das strenge Gebot "sich von Blut zu enthalten", schließt die medizinische Verwendung von Bluttransfusionen für Zeugen Jehovas aus. Dies führte mitunter auch zum Tod einzelner Mitglieder.
* Die Organisation der Zeugen Jehovas verbietet ihren Angehörigen die Übernahme von politischer Verantwortung, da sie darin eine Gefahr für die Religion erkennt. Zeugen Jehovas sind durch diese Praxis gleichsam politisch entmündigt. Dennoch haben die Zeugen Jehovas in Österreich am 11.Juli 1998 die Rechtspersönlichkeit einer Bekenntnisgemeinschaft erworben.
* Die Zeugen Jehovas stehen unter einem starken Leistungsdruck, alle Verpflichtungen zu erfüllen; dazu gehört z.B. der Besuch von 3 Veranstaltungen pro Woche, der "Predigtdienst" (d.h. der missionarische Besuch von Tür zu Tür), die Durchführung von "Heimbibelstudien" in den Wohnungen Interessierter (anhand der Literatur der Wachtturmgesellschaft) und der "Straßendienst" (Anbieten der Zeitschriften).
* Der Gemeinschaftsentzug, d.h. der Ausschluss aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas als Strafe bei Verfehlungen trifft Zeugen Jehovas oft sehr hart, da sie ihr ganzes Leben, ihre sozialen Kontakte nur auf die Organisation der Zeugen Jehovas hin ausgerichtet haben.
* Alle ihre Behauptungen und Aussagen belegen die Zeugen Jehovas mit Bibelstellen; die eigentliche Glaubensquelle ist aber die Literatur der Wachtturmgesellschaft. So heißt es: "Wenn wir Jehova und die Organisation seines Volkes lieben, werden wir nicht misstrauisch sein, sondern werden, wie die Bibel sagt (!), alles glauben, nämlich alles, was der 'Wachtturm' darreicht..." (Zum Predigtdienst befähigt, 156). Die eigene "Neue Welt-Übersetzung" der Bibel , die zahlreiche Verfälschungen enthält, dient als Belegquelle für die Richtigkeit der Wachtturm-Lehre. Durch wahlloses Aneinanderreihen einzelner Texte läßt sich alles "biblisch beweisen" was die Organisation sagt.
* Bereits der Gründer Charles T. Russell hat einen Endzeittermin berechnet, später kamen weitere dazu: 1918, 1925 und 1975. Als die angekündigten Ereignisse ausblieben, beriefen sich die Zeugen Jehovas jedesmal darauf, von Gott "helleres Licht" empfangen zu haben. Derzeit erklären die Zeugen Jehovas, im Jahr 1914 habe eine neue und letzte Periode ihren Anfang genommen, da Christus in diesem Jahr seine Herrschaft im Himmel angetreten habe. Bis zur Verwirklichung des irdischen Paradieses dauere es nur noch kurze Zeit.
Mit Zeugen Jehovas ist ein Gespräch im eigentlichen Sinn schwer möglich. Zeugen Jehovas stellen sich in bewußten Gegensatz zu jeder anderen Glaubensgemeinschaft, was eine ökumenische Beziehung verhindert.
- Bekennen Sie klar ihren Glauben.
- Es ist leichtsinnig, sich ohne Vorkenntnisse in Debatten einzulassen.
- Wenn Sie den Zeugen Jehovas Schriften abnehmen, hat dies meist Nachbesuche zur Folge, denn der Wachtturm-Organisation geht es um ihre Bekehrung.
- Wir tragen geschwisterliche Verantwortung für alle um uns, in Familie, Haus- und Berufsgemeinschaft, die durch Zeugen Jehovas-Mission gefährdet sind.
R. Franz, Der Gewissenskonflikt, Claudius Verlag, München 1996
K-D. Pape, Die Angstmacher, Benno Verlag, Leipzig 1998
W. Mischitz, Jehovas Zeugen und ihre Umwelt, Werkmappe 86/2002, Wien
Offizielle Hompage der Zeugen Jehovas:
http://www.watchtower.org/languages/deutsch/index.html
(Wolfgang Mischitz)