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Subud

Bezeichnung

Der Name SUBUD ist eine Abkürzung und besteht aus den Initialen der drei Sanskritworte Susila, Budhi und Dharma. Susila meint die Fähigkeit, nach dem Willen Gottes als wahrer Mensch zu leben; Budhi benennt die göttliche Kraft im Menschen; Dharma bedeutet, Gottes Führung zu folgen. Das Wort SUBUD bedeutet kurz zusammengefasst: Das wahre menschliche Wesen, kann nur mit Hilfe geistiger Energie erreicht werden, die nicht vom Menschen, sondern allein von Gott kommt. SUBUD wurde von dem indonesischen Muslim Muhammad Subuh Sumohadiwidjojo (1901-1987) gegründet.

Beginn

Muhammad Subuh hatte in den Jahren von 1925 bis 1928 als junger Erwachsener persönliche Erfahrungen mit der höchsten Lebenskraft. In der Zeit seiner religiösen Suche, in der er seiner islamischen Tradition entsprechend Sufis, aber auch Lehrer anderer Traditionen aufsuchte, sah er in einer Neumondnacht einen Lichtball auf sich zu bewegen und erlebte wie dieser über dem Kopf in seinen Körper eindrang. Nach diesem Ereignis kam es in ihm 1000 Nächte lang zu spontanen Vibrationen. Die Erfahrung wechselte von den muslimischen Gebetsbewegungen, die sein Körper unwillkürlich ausführte, "zum Tanzen, dann kam eine Reihe innerer Erfahrungen, wo er erlebte, wie es sich anfühlt, eine Pflanze zu sein, wie es sich anfühlt, ein Tier zu sein, und wie man sich als menschliches Wesen fühlt. Und dann wurden ihm Dinge des Universums gezeigt und so weiter. Es wurde ihm eine Art spirituell geführte Reise durch das Leben im Universum gegeben" (Horthy 23).

Im Zuge dieses spirituellen Trainings (indonesisch Latihan) erhielt Muhammad Subuh Klarheit darüber, diese innere Erfahrung an Interessierte weiter zu geben. 1932 entstand als erste Gruppe die lokale Bruderschaft Ilmu Kasunyatan (indonesisch für esoterisches Wissen und Leere) in Semarang. Nach der Unabhängigkeit Indonesiens wird die SUBUD-Bruderschaft 1947 in Yogakarta behördlich registriert. 1957 veröffentlicht er sein Buch "Susila, Budhi, Dharma. Ein Weg, sich dem Willen Gottes zu ergeben".

Umfeld

Muhammad Subuh und seine ersten Freunde kamen aus dem sufistischen Umfeld. Der Volksislam auf Java ist sehr eng verbunden mit den ihn umgebenden animistischen, buddhistischen und hinduistischen Kulturen; er gilt als geschmeidig, aufgeschlossen, synkretistisch und vielgestaltig; es dominiert die praktische und nicht die dogmatische Seite der Religion. (Der mit Herrschaftsansprüchen und Gesetzlichkeit eng verbundene arabische Islam steht in Opposition zu diesem asiatischen Modell.)

Im Zuge der Kolonialisierung kam es auch zur Inkulturation einer säkularen Seite. SUBUD entsteht mit dem indonesischen Nationalbewusstsein und ist eine von der javanisch-mystischen Tradition geprägte Bewegung mit dem weltumspannenden Ziel, die Menschen zur Verinnerlichung zu führen. Muhammad Subuh - herangewachsen in diesem Umfeld - betont jedoch, dass die SUBUD - Bruderschaft kulturell, sozial und religiös ungebunden ist.

Verbreitung

In den Westen gelangte SUBUD Mitte der 1950er-Jahre durch den zum Islam konvertierten, britischen Journalisten Husein Rofé (1922-2008). Er hatte bei einem Aufenthalt auf Java Bapak (indonesisch für Vater) Muhammad Subuh kennengelernt und sich seiner Bewegung angeschlossen. Er half bei der Verbreitung des Programms in Indonesien zielstrebig mit.

In London erweckte Rofé das Interesse von John Bennett (1897-1974), der Leitfigur der britischen Gurdjieff - Bewegung. Er und auch andere Gurdjieff - Schüler erwarteten  nach dem Tod ihres spirituellen Meisters 1949 einen von Gurdjieff noch zu Lebzeiten angekündigten Lehrer, der neues spirituelles Licht aus dem Osten bringen sollte. Bennett meinte diesen Lehrer in Muhammad Subuh gefunden zu haben. Weitere Gurdjieff - Anhänger folgten dem Beispiel Bennetts als bekannt wurde, dass die damals bekannten Schauspielerin Eva Bartók durch den Kontakt mit dem Latihan  spontan geheilt wurde. 1962 trennte sich Bennett jedoch von SUBUD und folgte wieder der Gurdjieff - Bewegung. Die Aussteigerkultur in der westlichen Nachkriegsgeneration, die sich vor allem für den neureligiösen Osten interessierte, wirkte eventuell auch bei der schnellen Verbreitung von SUBUD mit.

Organisation

1959 fand der erste SUBUD - Weltkongress statt. 2005 werden sich die Mitglieder der Bruderschaft zum zwölften Mal treffen, diesmal in Innsbruck in Österreich. Diese internationale Veranstaltung findet circa alle vier Jahre jeweils in einem anderen Land statt. Es ist das höchste Entscheidungsorgan der Bewegung. Beim kommenden Kongress finden drei Vorhaben statt: 1. Die offizielle Tagung der SUBUD - Bruderschaft; 2. Der Austausch über Projekte besonderer Interessensgemeinschaften in SUBUD; und 3. Das Rahmenprogramm.

Im offiziellen Teil des Kongresses werden von den Delegierten die internationalen Leiter und deren Berater neu gewählt: dies gilt für die World Subud Association WSA und auch für das geschäftsführende International SUBUD - Committee ISC; es wird das Land für den neuen ISC Standort und den nächsten Kongress bestimmt; es wird das World Subud Council WSC neu bestellt, das die am Kongress festgelegten Arbeitsziele zu verwirklichen hat. In der Ratsversammlung WSC, dem zweithöchsten Organ der Bewegung, sind das ISC und die Delegierte aus den neun Weltzonen, die Repräsentanten der Teilorganisationen und die internationalen Helfer vertreten.

Die Tätigkeiten im sozialen, humanitären, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich zählen zum halboffiziellen Programm da sie von eigenständigen Teilorganisationen betrieben werden. Dazu zählen: Susila Dharma International Association SDI als humanitäres Werk, Subud Enterprise Service International SES als wirtschaftsliches Netzwerk, Subud International Youth Association SIYA als Jugendzweig, Subud International Cultural Association SICA als Kulturinitiative und der im Aufbau befindliche Gesundheitsbereich. Für SUBUD - Leute ist klar: Ihr Engagement für die weltlichen Belange beruht auch darauf, dass sich die innere Erfahrung des Latihan auf die äußeren Lebensbereiche auswirkt. Jeder einzelne trägt sich dabei mit der Hoffnung, so einen Beitrag zur Harmonie in der Welt zu leisten. Konkrete Projekte der verschiedenen Teilorganisationen werden im Laufe des Kongresses vorgestellt.

Praxis

SUBUD steht für eine einfache und leicht vermittelbare Erfahrung: Ab dem Alter von 18 Jahren kann nach einer circa dreimonatigen Informationszeit mit dem Latihan begonnen werden. Die Anwärter werden entsprechend ihrem Geschlecht von einem männlichen oder einem weiblichen SUBUD - Mitglied informiert. In das Latihan kann kann jeder einführen, der selber das Latihan betreibt. Meist werden Mitglieder mit langjähriger Erfahrung im Latihan dazu ausgewählt. Diese werden als Helfer  bezeichnet. Sollte sich ein Anwärter nach drei Monaten für die Teilnahme am Latihan entscheiden, so erfolgt diese in Anwesenheit dieser Helfer. Anwärter und Helfer folgen dabei ihren eigenen spirituellen Erfahrungen, die sich ihnen aus der Hingabe zu Gott eröffnen. Wer der Übung regelmäßig folgt, kann SUBUD - Mitglied werden.
 
Das Latihan wird von Männern und Frauen getrennt zweimal wöchentlich in Gemeinschaftsräumen für die Dauer einer halben Stunde ausgeführt. SUBUD ist kein kollektiver Prozess, sondern eine individuelle Erfahrung. (Es kann auch alleine empfangen werden.) Mit geschlossenen Augen stehen die Teilnehmer im Raum. Die Stimme und der Körper kommen in Bewegung: einige gehen, einige tanzen, einige singen, einige lachen und einige weinen. Oder es bleibt ruhig: einige bleiben einfach stehen oder liegen und bemerken nichts. Der spirituelle Prozess ist autonom vom menschlichen Willen und Denken. Manche Mitglieder berichten von nachhaltigen Wirkungen wie z.B.: gesundheitliche Stärkung, künstlerische Inspiration oder belebte Intuition. Dieser Prozess schließt jedoch nachteilige Wirkungen oder Schwierigkeiten nicht aus. In jedem Fall werden persönliche Erfahrungen gemacht, die sich nicht nur von den Erfahrungen anderer unterscheiden, sondern sich auch von eigenen Erwartungen abheben.

Stellungnahme

Aus religionsgeschichtlicher Sicht zählt die SUBUD - Bruderschaft ursprünglich zu jenen sufistischen Gruppen, die vom Islam schwach geprägt sind. Javanischer Synkretismus und moderner Individualismus wandeln hier das klassische arabisch-muslimische Gemeinschafts- und Traditionsmuster ab. Die SUBUD - Bewegung zeigt die besonderen Merkmale der javanisch-mystischen Kultur: eine gering entfaltete Glaubenslehre, ein ausgeprägtes soziales Harmoniebedürfnis, eine wechselseitig vermittelte, gemeinsame Erfahrungswelt und ein Streben nach Erleuchtung.

Aus der Sicht der SUBUD - Anhänger ist diese religionsgeschichtliche Zuordnung nicht zutreffend, da die Erleuchtung Muhammad Subuhs nur auf seine Hingabe zu Gott und nicht auf seine Religionszugehörigkeit oder seine fernöstliche Herkunft zurückzuführen ist. Nach Horthy habe Bapak Subuh schon früh die Suche aufgegeben, religiöse Lehren zur Erklärung seines Lebens heranzuziehen (21). SUBUD eröffnet allen Menschen, religiösen und nichtreligiösen, eine Zugang zur Erfahrung göttlicher Lebenskraft. Die Bruderschaft vereint Menschen mit einer Vorliebe für den Sufismus, für den Koran, für die Bibel, für die Tora, für die Veden und für die Reden Buddhas, oder moderne Individualisten, die sich keiner Religion zugehörig fühlen.

SUBUD präsentiert sich als eine eigenständige, spirituelle Trainingsform zur inneren Weiterentwicklung. Aus religionspsychologischer Sicht wird die für alle Menschen offen stehende mystische Erfahrung hier zum Ausgangspunkt für eine religions- und kulturübergreifende, gemeinsame Übungsform gemacht: Sie gilt als Kern jeder Religion (Horthy 6). Die SUBUD - Erfahrung kann sich auch spontan in religiösen Zusammenhängen oder mitten in Alltag bei Menschen zeigen, die keine Mitglieder sind. Aber als beständiger Weg zur höheren Entwicklung des Menschen gilt es sich nicht auf den Zufall, sondern auf das Latihan einzulassen. Im Unterschied zu Yoga oder Zen erlaubt SUBUD nicht, dass das Latihan in Publikumsveranstaltungen praktiziert und vermittelt wird. Niemand soll zur Teilnahme umworben werden.

Zur weltanschaulichen Deutung der Erfahrung wird ein siebenstufiger Aufgang der Seele zum Göttlichen entworfen. Mit dem Latihan wird eine Reinigung von materiellen Energien begonnen, eine Harmonisierung der vitalen Seelenkräfte (pflanzliche, tierische und menschliche) angeregt und eine Öffnung für die göttliche Energie bewirkt. Der Weg zur Befreiung des wahren Menschen ist kein äußerlich-asketischer Weg, sondern ein innerlich-spontaner: Es geht darum, den Willen Gottes in sich geschehen zu lassen.

Der Wille Gottes erschließt sich dem SUBUD - Mitglied nicht aus einem persönlichen Gottesbild und einer frommen Gottesbeziehung, sondern durch das besondere Ereignis Latihan. So kann der Wille Gottes im Latihan auch konkret gefühlt werden. Im sogenannten Testen wird versucht, eine konkrete Frage oder eine Problemsituation von einem Mitglied durchs Latihan zu klären. (Zur Vergewisserung kann die Frage auch an die Helfer heran getragen werden.) Dieser Lösungsweg wirkt einfach und klar, kann aber aus der Sicht von SUBUD die rationale Lösung weltlicher Probleme nicht ersetzen. Selbstkritisch zu sein ist eine besondere Übung für den, der auf den Willen Gottes Wert legt.

Quellen
Gedankt sei dem Gesprächspartner von Subud Österreich.
Sharif Horthy, Was ist Subud? Ein spiritueller Weg (2004).
www.subud.org

Literatur
Antoon Geels, Subud and the Javanese Mystical Tradition (Richmond 1997).

 

(Wolfgang Mischitz)




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