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Siebenten-Tags-Adventisten

Entstehung

Immer wieder und zu allen Zeiten in der menschlichen Geschichte kommt es zu stark endzeitlich ausgerichteten Bewegungen. So auch Anfang des 19. Jahrhunderts in den USA. Der Farmer William Miller (1782-1849) kommt nach einer intensiven Beschäftigung mit der Bibel zur Überzeugung, dass Christus wiederkehren werde. Er interpretiert die Bibelstelle bei Daniel 8, 14 "Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen vergangen sind, wird das Heiligtum gereinigt werden" so, dass er die Tage mit Jahren gleichsetzt und als Beginn seiner Berechnungen das Datum der Wiederherstellung des Tempels im Jahr 457 v. Chr. setzt. So kommt er auf einen Zeitrahmen von 1843/44 für die Wiederkunft Christi.
Ab 1831 ist Miller sehr aktiv mit der Verkündigung dieser Botschaft beschäftigt und löst damit eine Bußbewegung in den Vereinigten Staaten aus. Als der März 1844 verstreicht, ohne dass Christus erschienen ist, legt Miller als neues Datum für die Wiederkunft den 22. Oktober 1944 fest. Als abermals nichts geschieht, zieht sich Miller zurück. Auch die inzwischen zu beachtlicher Größe angewachsene "Adventbewegung" zeigt sich enttäuscht. In der Folge kommt es zu einer Aufsplitterung in mehrere Teile. (Aus einem Teil entstehen später die Zeugen Jehovas.) Nun tritt Ellen Gould White, geborene Harmon (1827-1915), auf die Bühne. Durch ihre zweitausend "Visionen" ist sie so etwas wie eine Prophetin der Erweckungsbewegung geworden. Ihre Schriften werden für inspiriert gehalten. Ihr Mann, James White, erweist sich als erfolgreicher Organisator, der für die Verbreitung ihrer Lehren und Grundsätze sorgt. Im April 1848 wird die erste "Sabbatkonferenz" abgehalten. Drei Jahre lang ringen die vielen kleinen Gruppen um eine gemeinsame Glaubenslehre und legen so die die Fundament für die neue Bewegung. Eine wichtige Rolle spielt dabei Josef Bates als Hauptvertreter der Sabbatlehre. Man kommt nun überein, dass Christus am 22. Oktober 1844 mit der Reinigung des Heiligtums im Himmel begonnen habe. Erst zu diesem Zeitpunkt habe er "das himmlische Heiligtum betreten, um den Versöhnungsdienst für die Menschheit zu beginnen". Seine Wiederkunft erfolge erst, wenn der Versöhnungsdienst abgeschlossen sei. 1861 bezeichnet sich die Gruppe als "Siebenten-Tags-Adventisten" (STA). Zwei Jahre später, 1863, kommt es zur ersten "Generalkonferenz" in Battle Creek in Nebraska. 125 Gemeinden aus der Adventbewegung mit 3.500 Mitgliedern schließen sich zusammen. Ellen White gilt als die endzeitliche Trägerin des "Geistes der Weissagung". In den folgenden Jahren kommt es zu einer intensiven Missionierung, zum Aufbau eines eigenen Schul- und Bildungswerkes, zu Bemühungen um eine Gesundheitsreform und zum Ausbau eines Verlagswerkes zur Verbreitung des Schrifttums von Ellen White.

Weitere Entwicklung der Organisation

Ab dem Jahr 1874 setzt auch in Europa die Missionstätigkeit ein. Ausgangspunkt ist Basel in der Schweiz. 1876 entsteht in Solingen die erste deutsche Gemeinde. Der Schwerpunkt verlegt sich bald nach Hamburg, wo 1888 ein Missionshaus und ein Jahr später eine Missionsschule gegründet werden. Entscheidend für die Bewegung wird der Schriftsetzer Ludwig Richard Conradi (1856-1939). 1932 kommt es wegen erheblicher Differenzen zur Trennung von ihm. 1914 gibt es in Deutschland bereits 15.000 Adventisten. Zum Zentrum für Osteuropa wird Friedensau bei Magdeburg mit Werkstätten, einem Sanatorium und einer Nährmittelfabrik. Bald entwickelt sich auch Australien zu einem Zentrum der Bewegung. Ellen White lebt ab 1891 zehn Jahre lang dort. Weltweit umfasst die Organisation heute rund 10 Millionen Mitglieder in rund zweihundert Ländern. Es gibt etwa 5.700 Schulen (Grundschulen bis Universitäten). Das ist das weltweit größte evangelische Bildungswerk, in dem etwa 47.000 Lehrende an die 800.000 Schülerinnen und Schüler unterrichten. In den Spitälern und Sanatorien betreuen rund 2.500 Ärzte und 24.000 Angestellte jährlich ca 9 Millionen Patienten. 56 Verlage publizieren 295 Zeitschriften in 200 verschiedenen Sprachen. In Österreich sind die "Siebenten-Tags-Adventisten" seit 1998 eine registrierte religiöse Bekenntnisgemeinschaft. Es gibt 47 Gemeinden mit 3.500 getauften Erwachsenen und 1.000 Kindern und Jugendlichen (laut aktueller Homepage der Adventisten).
Die Organisation gliedert sich weltweit in 13 Divisionen (Abteilungen). Eine Division besteht aus mehreren Landesverbänden, die sich aus regionalen Zusammenschlüssen von Ortsgemeinden bilden. Das höchste Organ ist die Generalkonferenz, die alle fünf Jahre einen Präsidenten, einen Sekretär und einen Schatzmeister wählt. Die Ortsgemeinde wird von einem Gemeindeausschuss geführt. Ihm gehören der hauptamtliche Prediger, der Gemeindeälteste und die Leiter der Arbeitswerke (Bibelschule, Diakonie, Kinder- und Jugendarbeit, Heimatmission, Wohlfahrtspflege) an. Die Finanzierung der Gemeinden erfolgt über den "Zehnten" und durch Spenden.

Die Lehre

Die Lehre versteht sich als streng bibelbezogen. Die Schriften von Ellen White gelten zwar als prophetische Auslegungen, jedoch nicht als neue Offenbarungen. Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis wird abgelehnt, durch das Festhalten an wichtigen reformatorischen Grunderkenntnissen ergeben sich aber gewisse Gemeinsamkeiten mit den Reformationskirchen. Spannungen entstehen durch die adventistischen Sonderlehren, wie etwa die "Heiligtumslehre". Gemeint ist damit der "Eintritt Christi in das Allerheiligste des Himmels". Damit hat Christus 1844 sein Versöhnungswerk vollendet (E.G.White, Der große Kampf zwischen Licht und Finsternis, Seite 423). Oder die "Sabbatlehre", der zufolge der Sabbat als "Gedächtnistag der Schöpferkraft Gottes" gilt. Die Adventisten begehen ihn - analog den Juden und ersten Judenchristen - vom Freitagabend bis Samstagabend. Ihrer Ansicht nach ist das Sabbatgebot für alle Menschen zu allen Zeiten verpflichtend und die Sonntagsfeier ein "Zeichen der Abtrünnigkeit" (Stimme der Hoffnung, Nr. 23). Erst unter Kaiser Konstantin (321 n. Chr.) sei der Sonntag bei den Christen eingeführt worden, wird argumentiert. Schließlich spielt das "Untersuchungsgericht" eine Rolle. Dabei wird entschieden, wer "von den Myriaden, die im Staub der Erde schlafen" (also den Toten) "würdig ist, an der ersten Auferstehung Teil zu haben und wer von den Lebenden für die Verwandlung bereit ist" (Gemeindehandbuch, Seite 18). Dieses Untersuchungsgericht begann 1844.
Durch das Streben nach Heiligung und Gebotserfüllung auf der Basis des rechtfertigenden Glaubens werden das Leben und das Erscheinungsbild der Gemeinden nach innen und außen geprägt. Bekehrungseifer und starkes missionarisch-soziales Engagement sind erwünscht. Es gibt ein betont exklusives Selbstverständnis als "Gemeinde der Übrigen", die der Welt die "dreifache Engelsbotschaft" (nach Offb. 14, 6-12) verkünden muss. Jedoch wird heute manches moderater und endzeitlicher modifiziert. Das Menschenbild des Adventismus lehnt die Unsterblichkeit der Seele ab und räumt gesunder Ernährung, naturverbundener Lebensführung (Empfehlung vegetarischer Kost, Verzicht auf Alkohol, Kaffee und schwarzen Tee sowie Ablehnung von Schweinefleisch) und naturgemäßen Heilmethoden einen hohen Stellenwert ein.
An der Lehre von der baldigen Wiederkunft Christi wird festgehalten, ohne ein Datum zu nennen. Ziel der adventistischen Eschatologie ist die Errichtung eines "ewigen Gottesreiches auf Erden nach der ersten Auferstehung, dem Tausendjährigen Reich, der zweiten Auferstehung und dem Endgericht". Charismatische Einflüsse haben zu einer gewissen Neubelebung geführt.

Gemeindeleben

Gottesdienst und Bibelschule am Sabbat sind die wichtigsten Pfeiler des Gemeindelebens. Der Sabbatgottesdienst wird schlicht begangen, Mittelpunkt ist die Predigt. Der Jahreskreis folgt dem allgemeinen christlichen. Es gibt zwei Sakramente. Die Taufe wird ab dem 16. Lebensjahr durch Untertauchen gespendet, die Kindertaufe wird abgelehnt. Das Abendmahl wird vier Mal im Jahr mit unvergorenem Traubensaft und ungesäuerten Broten gefeiert. Dem geht als Zeichen der Demut und Vergebungsbereitschaft die Fußwaschung voraus. In der Sabbatschule versammelt sich die Gemeinde in kleinen Gruppen zum Bibelstudium nach jeweils vorgegebenen Textstellen. An Wochentagen finden Gebetsversammlungen, Jugendstunden und andere Gruppenzusammenkünfte statt. Seit den Fünfzigerjahren machen sich in den Industrieländern Stagnations- und Rückgangserscheinungen bemerkbar, während in den ehemals kommunistischen Staaten und in den Entwicklungsländern Zuwächse zu verzeichnen sind. Es besteht ein eigenes Gesundheitswerk mit Nahrungsmittelfabriken sowie vegetarischen Restaurants. Eine Gründung der Adventisten ist die "Liga Leben und Gesundheit". Deutsche Verlage, die den STA gehören, sind "Advent-Verlag", "Saatkorn-Verlag" und "Wegweiser-Verlag". Deutsche Zeitschriften tragen die Titel "Zeichen der Zeit", "Primavita", "Adventecho", "Gewissen und Freiheit". Unter den Bezeichnungen "McAbraham" und "Salzstreuer-Magazin" laufen zwei Radioprogramme. Es gibt einen Bibelfernkurs unter dem Namen "Die Bibel spricht" sowie ein Sattelitenprogramm "NET98: Online mit Gott". Die Werbung erfolgt über Medien, persönliches Ansprechen (Literaturangebot vor der Haustür) und durch Einladungen zu Vorträgen und Seminaren. Seit 1948 gibt es die "Internationale Vereinigung zur Förderung von Religionsfreiheit". Diese gibt die Halbjahresschrift "Gewissen und Freiheit" heraus.

Unterschiede zur katholischen Lehre

  • Nach katholischer Überzeugung hat Christus die ganze Erlösung mit seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt bewirkt. Bei den STA geschieht dies erst 1844. 
  • Datumsangaben über die Wiederkunft Christi lassen sich aus der Bibel nicht ableiten (vgl. Mt 24,36).
  • Die starke Betonung des Sabbats findet im Neuen Testament keine entsprechende Erwähnung. Jesus erklärt sich vielmehr zum Herrn über den Sabbat (Mt. 12,18). Das Apostelkonzil um 50 n.Chr. (Apg. 15,28) verlangt nicht mehr den Sabbat. Bereits ab dem 1. Jahrhundert ist der Sonntag der Versammlungstag zur Eucharistiefeier.
  • Die Seele gilt den STA nicht als unsterblich.
  • Die STA glauben, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat.
  • Die STA sollen als die "144.000 Auserwählten" ein Zeugnis geben, bevor Christus wieder auf die Erde kommt.
  • Katholiken haben einen unbefangeneren Zugang zur Ernährung (Kol 2,16f, ). Die Adventisten verfügen über zahlreiche Gesundheitsvorschriften.
  • Die STA werben oft "verdeckt". Auch ihre Publikationen lassen nicht sofort auf ihren Herausgeber schließen. 
  • Die STA sind nicht Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Quellen:
E.G.White, Der große Kampf zwischen Licht und Finsternis; Gemeindeordnung der ATA, Lüneburg, Adventverlag 1998;
Eine Kirche stellt sich vor, Kirche der STA, Wien 1999;
Auf einen Blick, Falter der STA 1999;
H.Reiller, Gemeinschaft der STA, Gütersloh 2000;
Offizielle Homepage in Österreich: www.sta.at

(Bernhard Dobrowsky)




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