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(Mormonen) - Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage -

Geschichte

Der Begründer der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage", Joseph Smith (1805-1844), beschreibt die Entstehung der Mormonen in seiner Kurzbiographie wie folgt:

Als 14-jähriger stellte er sich die Frage, welche Religion denn die wahre sei. Während er im Gebet zutiefst danach suchte, offenbarte sich Gott Vater dem jungen J. Smith und gab ihm den Rat, keiner bestehenden Kirche beizutreten. Alle ihre Bekenntnisse seien ein Greuel in den Augen Gottes. Ihm, J. Smith, würde zur rechten Zeit das wahre Evangelium geoffenbart werden. 1823 zeigte ihm der Engel "Moroni" in der Nähe der elterlichen Farm auf einem Hügel versteckte, mit altägyptischen Zeichen versehene Goldplatten. Auf ihnen waren Berichte aus der Urgeschichte Amerikas und vor allem Zeugnisse vom Wirken Jesu auf dem amerikanischen Kontinent verzeichnet. Doch erst 1827 erhielt Smith vom Engel Moroni die notwendige "Prophetenbrille", um die Zeichen entziffern zu können.

Im Jahr 1830 veröffentlichte Smith diese Übersetzung als das Buch "Mormon". Noch im selben Jahr gründete er - von Gott zum "Propheten" berufen - die "Kirche Jesu Christi", die er 1838 in die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" umbenannte. Die neugegründete Kirche fand bald zahlreiche Anhänger. Smith selbst geriet aufgrund der ungewöhnlichen Lehren und den daraus resultierenden Praktiken (z.B. Polygamie) in zunehmende Auseinandersetzung mit den Behörden. Er wurde in Untersuchungshaft genommen und gemeinsam mit seinem Bruder in der Nacht des 27. Juni 1844 von einer aufgebrachten Menschenmenge erschossen.

Die Kämpfe um die Nachfolge gewann der ehemalige Zimmermann Brigham Young (1801-1877). Da besonders die Familienangehörigen von Smith mit der Wahl des "neuen Propheten" nicht einverstanden waren, entstanden in der Folgezeit viele kleine Abspaltungen, von denen noch heute einige bestehen (so z.B. die "Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage"). 1845 forderte die Bevölkerung des Staates Illinois die Auswanderung der Mormonen. 1847 erreichten 15.000 Mormonen unter der Führung ihres neuen Propheten das Tal des Großen Salzsees. In beachtlicher Pionierarbeit entstand eine blühende Kulturlandschaft rund um das Zentrum Salt Lake City. Erst 1896 wurde dieses Mormonenterritorium als Bundesstaat Utah in die Vereinigten Staaten aufgenommen, nachdem das 1852 eingeführte Gesetz der Polygamie 1890 von den Mormonen wieder außer Kraft gesetzt wurde. Weltweit gab es 1996 ca. 9,4 Mill. Mormonen. In Österreich sind sie seit 1955 eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.

Lehre

Die Mormonen sind auf direkte göttliche Veranlassung hin entstanden und allein dazu berechtigt, vollgültig zu amtieren und die Lehre Gottes zu verbreiten.
Die Bibel ist nur eine heilige Schrift unter anderen. Das wahre Wort Gottes ist das Buch "Mormon". Als weitere heilige Schriften gelten zwei Textsammlungen der Offenbarungen des J. Smith.
Gott war ursprünglich ein gewöhnlicher, sterblicher Mensch, obgleich er das zur Zeit höchste Wesen im Weltall ist. Er ist dem Fortschrittsprinzip, das alles beherrscht, unterworfen. Eine weitere Vervollkommnung liegt durchaus im Bereich des Denkbaren.
Die christliche Vorstellung von der Trinität lehnen die Mormonen strikt ab. Sie glauben an drei göttliche voneinander unabhängige Personen: Vater, Sohn (Jesus ist der physische Sohn Gottes) und Heiliger Geist. Christus wurde Mensch und erwirkte durch seinen Sühnetod die Teilhabe an der Auferstehung für alle Menschen.
Der Sündenfall und die Ausweisung aus dem Paradies waren für den Menschen eine Hilfe, da er sich nun - mit freiem Willen ausgestattet - im Fortschrittsprinzip nach oben entwickeln kann. Er ist sozusagen Gott im Keimzustand und von Gott Vater grundsätzlich nicht verschieden. Unter Sünde verstehen die Mormonen nur das, was gegen das Gesetz des Fortschritts ist.
Wichtig im kirchlichen Leben ist das Priestertum. Alle männlichen Mitglieder ab 12 Jahren können dazu zugelassen werden. Es gibt zwei Formen:
a) das aaronische Priestertum, das für die Angelegenheiten des Gemeindelebens zuständig ist (Besuchsdienst, Unterricht, Predigt, Taufe und Abendmahl).
b) das melchizedekische Priestertum, die höhere Form mit der Vollmacht zur Geistmitteilung, Totentaufe und Siegelung.

Folgende fünf Handlungen gelten als sakramental:

  • Die Taufe wird ab dem 8. Lebensjahr durch den Priester gespendet. Sie bezeichnet das Bündnis, das der bußfertige Sünder mit seinem Schöpfer eingeht. Die Säuglingstaufe gilt als Frevel vor Gott.
  • Die Handauflegung ist dem melchizedekischen Priestertum vorbehalten. Durch sie wird der Hl. Geist gespendet.
  • Das Abendmahl darf nur an Würdige ausgeteilt werden. Die Elemente sind Brot und Wasser, da Wein (ebenso Tabak, Schwarztee, Bohnenkaffee) verboten ist. Das Abendmahl gilt als eine Erneuerung des Bündnisses zwischen Gott und Mensch.
  • Die Siegelung, dem melchizedekischen Priestertum vorbehalten, findet im Tempel statt, den nur Mormonen mit Tempelempfehlungsschreiben betreten dürfen. Irdische Ehen werden in diesem Ritus zu himmlischen Ehen, die auch nach dem Tode fortbestehen.
  • Die Totentaufe kann stellvertretend für Verstorbene empfangen werden. , So können auch die Vorfahren an der "Erlösung" teilhaben. Daher ist die Ahnenforschung sehr wichtig.

Praxis und Werbung

Die Mormonen haben zahlreiche Zusammenkünfte. Am Sonntag treffen sie sich regelmäßig zum Gottesdienst. Wöchentlich wird montags der Familienabend gehalten. Durch Gruppen und Veranstaltungen ist fast jeder in das Gemeindeleben einbezogen. Die Mormonen leisten als Abgabe den biblischen Zehent. Des weiteren bestehen verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen innerhalb der Gemeinde und karitative Einsätze auch für Nicht-Mormonen.

Neben schriftlicher Werbung und allgemeinen Informationsständen werben die Mormonen bei uns vor allem durch den Hausbesuch, der wiederholt von jungen US-Missionaren durchgeführt wird. Dazu haben sie sogenannte "Proselyting Pläne" erarbeitet, in denen verschiedene Möglichkeiten eines Gespräches an der Haustür angegeben sind.

Stellungnahme

  • Die Mormonen verstehen sich als einzig wahre Kirche Jesu Christi. Bei einem Übertritt wird die Aufgabe der bisherigen Kirchenmitgliedschaft verlangt und eine (Wieder-)Taufe vorgenommen. Ein ökumenischer Dialog ist daher zum Scheitern verurteilt.
  • Da die Mormonen die Bibel als eine ihrer heiligen Schriften bezeichnen, finden sich bei ihnen viele biblische und christlich-theologische Begriffe wie z.B. Gott, Jesus Christus, Mensch, Schöpfung, Sündenfall, Erlösung etc. Doch haben sie diese Termini teilweise umgedeutet. Ihre Lehren sind mit der Bibel und der christlich-ökumenischen Theologie unvereinbar.
  • Ihr Gottesbild ist materialistisch und polytheistisch. Der Mensch steht im Mittelpunkt ihres Bekenntnisses. Er will und kann werden wie Gott.
  • Die Mormonen sind als eigenständige, amerikanische Mischreligion mit christlicher Terminologie zu bezeichnen. Dabei sind bei ihnen noch Elemente anderer Religionen zu finden: Die eigenen heiligen Schriften, die "Propheten" und Offenbarer in ihren Reihen weisen auf neuoffenbarerische Elemente hin. Aus dem altjüdischen Bereich entstammen der Tempelkult sowie die beiden Arten des Priestertums. Die Lehre von der Präexistenz des Menschen und sein Fortschritt im Geisterreich sind durchaus als gnostische Stilelemente zu charakterisieren. Hinzu gesellen sich noch esoterische Elemente wie z.B. die geheimen Belehrungen und Rituale im Tempel.
  • Die Darstellung der amerikanischen Geschichte sowie die Entstehung des Buches Mormon wirken auf viele als Phantasieprodukte des J. Smith.
  • Auf kulturellem Gebiet sowie in der Landwirtschaft, speziell im Staate Utah, haben die Mormonen Großes geleistet. Ihr familiäres Bewußtsein und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl verdienen Respekt.

Offizielle Homepage in Österreich: http://www.hlt.at/

(red)




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