UrsprungJesus Revolution Army wurde 1997 von Stephan Christiansen und seiner Frau Anne gegründet. Christiansen war vorher Pastor in einer der größten norwegischen Freikirche. Vision war und ist die Erweckung der Jugend Europas für Jesus Christus. Die Bewegung ist ein unabhängiger Teil der weltweiten evangelikalen Bewegung mit charismatischer Prägung.
Der Internationale Hauptsitz befindet sich in Oslo. Vom ursprünglichen Ziel der Gründung von neuen, freien, jugendlichen und lebendigen Gemeinden nach dem Vorbild der amerikanischen Gemeinde-Wachstums-Bewegung (Church Growths) ist man abgerückt.
EntwicklungJesus Revolution Army startete seine evangelistische Kampagne in der norwegischen Stadt Kristiansend mit dem Ziel, die Jugend Europas zu erwecken und zu erretten und sie zu Nachfolgern Jesu Christi zu machen. Mittlerweile arbeitet Jesus Revolution Army mit rund 120 Missionaren in 25 europäischen Nationen in kleinen Missionsteams. Jährlich werden Jugendliche für Missionseinsätze vorbereitet. Jesus Revolution Army hat Stützpunkte (Basen) in Oslo, München, Marseille, Budapest, Malaga, Bologna und Krakau. Die Niederlassung in Graz wurde nach mehrjähriger Tätigkeit 2005 geschlossen. Laut eigenen Angaben wurde in der nunmehr zehnjährigen Wirkungszeit 300000 Jugendlichen das Evangelium weitergegeben; davon sollen 24000 Jesus Christus als ihren Herrn angenommen haben. 2007 möchte Jesus Revolution Army alle europäischen Städte erreichen.
Religiöse AusrichtungJesus Revolution Army ist der weltweiten evangelikalen Bewegung zuzuordnen. Sie repräsentieren einen erlebnisorientierten (charismatischen) Religionstyp. Wesentlich ist die persönliche Glaubenserfahrung in Buße, Bekehrung zu Jesus Christus (=Wiedergeburt) und Heiligung des Lebens. Die Bibel gilt als höchste Autorität in allen Glaubens- und Lebensfragen; folglich wird die wortwörtliche Auslegung und die Irrtumslosigkeit der Bibel vertreten und die historisch-kritische Bibelexegese als wissenschaftlicher Irrglaube abgelehnt. Die Heilige Schrift, Gebet und Zeugnis (Mission) prägen das Frömmigkeitsverständnis. Die "Armee Gottes" möchte die Jugend Europas erretten und sieht ihre Mission als Kampf für das Gute (Evangelium) und gegen das Böse (Drogen, Abtreibung, Sex vor der Ehe) ohne Kompromisse. Jesus Revolution Army versteht sich als eine überkonfessionelle Bewegung, die christliche Gemeinden und Kirchen in der Evangelisation unterstützen möchte.
AusbildungIn unterschiedlichen Kursen werden jugendliche Christen auf ihren Dienst vorbereitet. "Mission Training School" ist eine Basisausbildung, um gute "Soldaten Christi" zuzurüsten. Das Curriculum beinhaltet u.a. Bibel, Gebet, Verkündigung, Evangelisation, Heilung, Gemeindegründung. In der Ausbildung herrscht eiserne Disziplin: So müssen angehende Missionare ("Soldiers") in der vier Monate dauernden Ausbildung einmal das Alte und vier Mal das Neue Testament durchlesen und schließlich 200 Verse aus der Bibel auswendig können. Es gilt den "Glauben radikal zu leben ohne Kompromisse" (Zitate von KursteilnehmerInnen in Weltjournal, ORF 2, 26.1.2005). München ist seit 2005 der Ausbildungsort für die Missionare in deutschsprachigen Ländern. In der "Leader Academy" werden Führungskräfte, die mindestens ein Jahr in der Bewegung gearbeitet und sich bewährt haben, für die verschiedenen Teams (Mobil-, Concert-, Base-, Media-Team) ausgebildet. Weitere Ausbildungsprogramme sind "School of Dance" und die "Music Academy", wo Choreografien, Pantomime, Tanz und Lieder für Auftritte einstudiert werden.
MissionJährlich werden mobile Missionsteams in europäische Städte entsandt. Bevorzugte Orte der Evangelisation sind belebte Strassen und Plätze, Schulen und Universitätsareale sowie Gemeinde- und Konzertsäle. Religiöse Inhalte werden im Gewand moderner Jugendkultur präsentiert. Durch Musik, Tanz, Zeugnis versucht man, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und sie für Jesus und folglich für eine christliche Gemeinde zu gewinnen wie auch für eigene Ausbildungsmodule und Missionsdienste zu motivieren. Im Sommer sind "Summerteams" unterwegs, um durch einstudierte Straßenshows Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit zu erlangen. Zusätzlich gibt es Konzerte, Festivals und Fernsehprogramme ("Youth of Europe"). Für jeden Missionsbereich gibt es speziell ausgebildete Teams. Die Leiter der Teams haben auch die Aufgabe, die Erfolgsberichte "Glory-to-God" zu verfassen.
Missionsauftritte können von christlichen Gemeinden gebucht werden. Außerdem bietet man christlichen Jugendgruppen "Know How" für geplante missionarische Aktivitäten an.
SchlussbemerkungenJesus Revolution Army muss als Anfrage junger ChristInnen an die traditionellen Kirchen und ihrem Erscheinungsbild ernst genommen werden. Die "Verselbständigung aktiver Glaubenskreise" (Reimer) und deren Suche nach neuen, lebendigen, zielgruppenorientierten Gemeindeformen sollen Theologie und die pastorale Praxis der Kirchen zum Nachdenken herausfordern. Die Methode, das Evangelium in einer Mischung aus Tanz, Gesang und Multimedia mit dazugehörender Profession zu verkünden, ist gerade für die Zielgruppe Jugendliche von 13-25 Jahren ansprechend und herausfordernd. Auffallend erscheint auch die optimistischere, positivere Grundhaltung: Lauteten die Jahresthemen 2005 und 2006 noch "Der Kampf um Europa" und "Das Ende der Zeiten" steht als Motto für 2007: "Celebrate Life - Feiere das Leben"
Dennoch gilt zu fragen, wie sich das neue Selbstverständnis als "überkonfessionelle Bewegung" in der Praxis auswirken wird. Das Bekenntnis und die gelebte Praxis, mit möglichst vielen einzelnen christlichen Gemeinden zusammenzuarbeiten (bzw. zu wollen) wie auch der - oft überheblich wirkende - missionarische Eifer, den der Autor selbst erlebt hat, können nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass eine solide ökumenische Gesinnung noch fehlt, wo ernsthaft und gemeinsam auf gleicher Augenhöhe die Einheit in der Vielfalt der Christen gesucht und zu verwirklichen versucht wird. Diese ökumenische Orientierung sollte für Jesus Revolution Army eine zukünftige Herausforderung und im Blick auf das bisherige Reformpotential auch zumutbar sein.
Internetwww.jesusrevolution.com
(Gerhard Weber)
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