Home

Check Deinen Durchblick

Beratung & Kontakt

Lexikon

Publikationen

Literatur

Archiv

Links



Halloween

Das Ziel ist die "Party" aller - Konsumgesellschaft banalisiert auch Leben und Tod, Freude und Angst

Halloween muss heute als kostenfreie Werbetrommel für alles und jedes herhalten. Im Vordergrund der Gruselwerbung stehen aber die Jugendparties am Abend bzw. in der Nacht vor dem Allerheiligentag.
Von dem in den USA üblichen Brauch der maskierten Kinderumzüge ist bei uns kaum etwas zu bemerken. Dort ziehen kleine Gruppen von Kindern mit dem lustig gemeinten Heischespruch "Süßes oder Saures" im Bekanntenkreis umher. Ein Kürbis vor der Haustür markiert, dass die Kinder hier anklopfen dürfen und die erwarteten Geschenke erhalten. Die Kostümierung zeigt an, dass es sich um ein Gesellschaftsspiel handelt. Da es in den USA keinen Fasching in unserem Sinne gibt, wird besonders dieser Anlass zur Maskarade genützt.

Ursprung

Das heidnische Halloweenfest war ein Erntedankfest und auch ein Fest des Totengedenkens.Die christliche Kirche nimmt das Fest in den eigenen Festtagskalender auf und christianisiert es. Große Schwierigkeiten mit der Umwidmung gibt es nicht, weil der Feiertag zum Gedenken an die Gemeinschaft der Heiligen sehr eng mit dem Tod verbunden ist; Allerheiligen gedenkt man der Menschen, die sich zu ihren Lebzeiten besonders menschlich-christlich verhalten haben, ihr Leben vielleicht sogar für ihren Glauben geopfert haben und nun bei Gott sind. Dieses Fest, das in den ersten Jahrhunderten der Kirche in der nachösterlichen Zeit gefeiert wurde, verlegte Papst Gregor IV. auf den 1. November. Auch das Fest Allerseelen, das am 2. November begangen wird, ruft zum Gedächtnis und Ehrung der verstorbenen Generationen auf und betont damit die Überzeugung, dass alle Menschen, Lebende und Toten, einmal vereint sein werden im Reiche Gottes.

Namen

Hier erhält nun Halloween auch seinen Namen. In Großbritannien bedeutet Allerheiligen "All Saints'Day" oder "All Hallows' Day".Halloween meint nun den Abend vor Allerheiligen, den "All Hallows' Evening" oder kurz "Hallows E'en".
Als irische Auswanderer nach Amerika gingen, ließen sie vieles zurück - Halloween nicht. Es dauerte nicht lange und Halloween war in der neuen Welt heimisch geworden. 
Ein Brauch, der sich bis heute erhalten hat, ist der ausgehöhlte Kürbis "Jack-o-Lantern". Dieser Brauch geht auf eine irische Legende zurück. Einem Trinker namens Jack soll es demnach gelungen sein an Halloween, den Teufel zu überlisten. Der Satan musste ihm zusichern, dass er für alle Ewigkeit auf seine Seele verzichtete. Als Jack schließlich starb, wurde er wegen seiner Trinkerei an der Himmelspforte abgewiesen. Auch der Teufel durfte ihn nicht in die Hölle einlassen - versprochen ist versprochen. Er gab Jack eine glühende Kohle aus dem Höllenfeuer, damit er den Weg zurückfinde. Jack nahm eine Steckrübe, die er als Proviant eingesteckt hatte, höhlte sie aus und packte die Kohle hinein. Da die Kohle aus der Hölle stammte, erlosch sie nimmermehr. Fortan streifte Jack rastlos umher, da er weder beim Teufel noch im Himmel willkommen war. In der alten Welt schnitzten die Halloween-Jünger ihren Jack-o-Lantern traditionell aus der Rübe. Doch in Amerika war der ungleich prächtigere und stattlichere Kürbis einfach die bessere Wahl.

Religiöse Feste werden zur Unterhaltung genützt

Es kann keine Rede davon sein, dass wir wirklich einen US-amerikanischen Brauch übernommen haben. Bei uns ist Halloween kein Brauch, sondern nur eine Feier. Recht einseitig wird mit skurrilen Bildern und Sprüchen für die "Gruselfeiern" der Jugendlichen  geworben, Gespenster-, Vampir- und Satanshows werden angepriesen,  Tomatenschlachten und Hexenbüffets werden organisiert. So mancher Vandalenakt in dieser Zeit lässt sehr besorgte Fragen aufkommen.

Was ist von Halloween zu halten?

Halloween signalisiert eine neuzeitliche Festtags-Begleiterscheinung. Unsere Gesellschaft verweltlicht sich zunehmend. Die vorgegebenen, religiösen Festtage werden zur Unterhaltung genützt. Es wird mitgefeiert, ohne religiös verbindlich zu werden oder in die Konkurrenz zur Religion zu treten.
Alle religiösen Eigenfeste bekommen in der Zivilgesellschaft einen öffentlichen Charakter. Ob Weihnachten, Ostern oder eben Allerheiligen: Die Wirtschaft hilft bei dieser Neutralisierung des religiösen Kalenders zielstrebig mit.

Sammelsurium an Motiven, damit alle mitmachen

Damit alle mitmachen können und niemand ausgeschlossen ist, wird ein Sammelsurium an Motiven angeboten. Zu Halloween werden das keltische Neujahr, der bäuerliche Erntedank, das christliche Todengedenken, der bürgerliche Fasching, das postmoderne Kultdesign und anderes mehr vermischt. Christen und Esoteriker können sich ebenso angesprochen fühlen wie Landwirte und City-Nachtschwärmer.
Wer, außer dem Konsum, kann heute noch so eine breite Gemeinde ansprechen? Das Ziel ist die Party aller.
Von einer Verdrängung religiöser Feiern kann keine Rede sein. Religion und Brauchtum sind an eine Ordnung und ein Ethos gebunden. Sie verlangen dem Menschen eine ökosoziale Haltung ab. Ein Event kennt diese Verpflichtung nicht.
Halloween ist nicht St. Martin und nicht Fasching. Halloween ist nichts Ernstes. Der zusätzliche Discotermin beglückt die Leute mit einer Freude ohne Pflichterfüllung. Es geht um das individuelle Erlebnis, das diese Nacht unvergesslich macht, nicht um die Freude, die man anderen schenken will.

Die Glut des Allerheiligenfestes erhalten

Das Phänomen Halloween macht aufmerksam, wie banal sich Leben und Tod, Freude und Angst darstellen können, wenn sie vom öffentlichen Konsumbereich erfasst werden.
Demgegenüber ist ein religiöses Eigenleben gefordert. Es richtet sich nicht gegen das Neofest, sondern auf die bewusste Wahrnehmung des Allerheiligen-Feiertagsthemas. Nicht die Asche, sondern die Glut dieses Festes gilt es zu erhalten.

(Wolfgang Mischitz, Stefan Lorger - Rauwolf)




Druckansicht

Zurück