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Die evangelikale Gemeinschaft "His People" ("Seine Leute" oder "Sein Volk") wurde 1993 von Südafrika aus gegründet. Zehn Jahre lang leitete das Missionarsehepaar Morris das Zentrum in Innsbruck und den Aufbau sieben weiterer Gemeinden in Salzburg, Judenburg, Kufstein, Augsburg, Nürnberg, Meran und Davos. Diese Arbeit gilt unter Evangelikalen als Vorbild eines erfolgreichen Gemeindewachstums. Der charismatische und missionarische Eifer hatte zum großen Bekanntheitsgrad von His People in Tirol beigetragen. In der Katholischen Kirche war von dieser Gemeinde z.B. im Zusammenhang von Kirchenaustritten und Heilungsgottesdiensten oftmals die Rede. Im Jahr 2003 wurde nicht nur der zehnjährige Gründungstag gefeiert, sondern auch der Abschied von der Familie Morris. Auf der Feier lag eine besonderer Schatten: Monate zuvor wurde der südafrikanische Gründer von His People wegen Ehebruchs aus der internationalen Leitung von "Morning Star" ("Morgenstern") ausgeschlossen. (1998 wurde His People weltweit von der US-amerikanischen, evangelistisch-missionarischen Vereinigung Morning Star International übernommen.)
Ein Sammelort verschiedener Gruppen war His People Innsbruck: Studenten und Unternehmer, Ledige und Familien trafen hier mit unterschiedlichen konfessionellen und kulturellen Vorbedingungen aufeinander. Zu den vielen Aufgaben, die für den Zusammenhalt der Gemeinschaft erforderlich waren (wie z.B. Kinder- und Jugendarbeit, Bibel- und Hauskreise, Sozial- und Missionsdienst) kamen vermehrt Kurse und viel Programm dazu, denn nicht alle waren aktiv für die Gemeinde tätig; mit besonderen Ausbildungen wurde für die erforderlichen Leitungspositionen geworben. Das neue einheimische Pastorenehepaar Marosch wird der Gemeinde aber keine Zeit zur Selbstfindung und -genügsamkeit schenken können, denn: Der Missionsdienst steht über der beschaulichen Versammlung.
- Nach der Übernahme durch Morning Star wurde die "Initiative 2010" ausgerufen. Das heißt: bis zum Jahr 2010 soll jede Gemeinde alle drei Jahre eine neue Gemeinde zu gründen versuchen. Zur neuen Staffel, die für die Missionierung in Tirol läuft, gehören nicht nur Gemeindeangehörige, sondern auch ein US-amerikanisches Missionsteam, das mittlerweile eingetroffen ist.
- Die Gemeinde ist mit Neujahr ins Versammlungszentrum "Novum" in Innsbruck-Arzl übersiedelt. Ca. 180 Leute werden sich umgewöhnen müssen: den Anspruch auf eigene Räumlichkeiten aufgeben, den Gästestatus annehmen (vorerst finden nur Samstagabendgottesdienste statt) und auf neue Hausherren hören lernen (im Novum sind zwei nichtcharismatische, evangelikale Gemeinden beheimatet).
- Eine weitere Umwälzung erzeugt das Bewusstsein, ein Missionar oder eine Missionarin in der Gemeinde zu sein: Unter den Besuchern der Gemeinde wird für eine offizielle Mitgliedschaft geworben. Damit wird das Ziel verfolgt, den Status einer registrierten Bekenntnisgemeinschaft zu erlangen.
- Beim Neujahrsgottesdienst 2005 wurde auch die Umbenennung von Morning Star in "Every Nation" ("Alle Nationen") bekanntgegeben. Gleichzeitig mit Morning Star wechselt auch die His People Gemeinde ihren Namen, um Einheitlichkeit zu zeigen. "Every Nation Innsbruck" lautet der neue Titel der "alten" His People Gemeinde.
- Bezeichnend für die Veränderung weg von einer gewöhnlichen Gottesdienstgemeinde und hin zu einer Missionsstation ist auch das neue Logo: Die gewohnten Reich-Gottes-Symbole Schwert und Krone werden nun durch ein "Welt-Prospekt" ersetzt.
Der Blick aufs Irdische dominiert. Was ins Auge fällt ist, dass auf Stärke, Wachstum und Beweglichkeit gepocht wird. Es ist zu hoffen, dass eine kritische Auseinandersetzung über eine US-geprägte Turbo-Mission in der Gemeinde selbst erfolgen wird. Der zu erwartende Schwung charismatisch orientierter, evangelikaler Mission kann für die Katholische Kirche in nächster Zeit zur Belastungsprobe für die zukünftigen Beziehungen zu diesem Teil der Evangelikalen werden.
Innsbruck, 14.02.2005
offizielle Homepage: www.hispeople.at
(Wolfgang Mischitz)
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