Romane haben meist keinen hohen Anspruch auf Wahrheitstreue. Und in einem Roman sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Dennoch können Romane Vorstellungen und Meinungen ganzer Generationen prägen - besonders dann, wenn man von den geschilderten Rahmenbedingungen und -kulturen wenig Ahnung hat. Der Amerikaner Dan Brown ist dabei, mit seinem Bestseller "Sakrileg" (The Da Vinci Code) und vorher schon mit "Illuminati", in weiten Teilen der Bevölkerung ein völlig verzerrtes Bild der Kirchengeschichte und des christlichen Glaubens zu prägen. Sakrileg will nicht nur ein Thriller sein, sondern behauptet auch historische Tatsachen darzustellen, die, so die Werbung des Verlages, "die Grundfeste der Kirche erschüttern". Um diesen Anspruch gerecht zu werden, schreibt der Autor im Vorwort, dass "sämtliche in diesem Roman erwähnten Werke der Kunst und Architektur und alle Dokumente wirklichkeits- bzw. wahrheitsgetreu wiedergegeben" sind. Damit wird Sakrileg zum Ärgernis, denn Brown verkauft seine Behauptungen ohne historisch belegbaren Hintergrund als Tatsachen. Mittlerweile haben Kunsthistoriker, Theologen und Journalisten auf die Unhaltbarkeit der Brownschen Thesen aufmerksam gemacht. Eine gute Zusammenstellung der inzwischen erschienenen Dossiers und Materialsammlungen finden sich auf www.katholisch.at
(Stefan Lorger-Rauwolf)