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Familienföderation für Weltfrieden

Familienföderation für Weltfrieden löst Vereinigungskirche ab

Beides sind Gründungen des Koreaners Sun Myong Moon. Das Bild des heute 90jährigen Messias verblasst zunehmend. Um den Rückgang von Moon-Gläubigen zu stoppen, wurde vor Beginn des neuen Millenniums mit der Familienföderation ein Neustart gewagt.

Zum ersten Versuch: Vereinigungskirche

Moon hat die Vereinigungskirche (kor. Tongil-Kyo) 1954 in Seoul gegründet. Ziel dieser „Heilig-Geist-Gemeinschaft für die Vereinigung des Weltchristentums“ war es, von Südkorea aus der Welt Friede und Einheit zu predigen. Ihn trieben politische Erfolge dazu an: einerseits war die Kolonialmacht Japan 1945 daran gescheitert, Korea zu unterdrücken, und andererseits erlangte Südkorea nach dem Koreakrieg die Unabhängigkeit. Moon missionierte ab 1946 in seiner kommunistisch besetzten Heimat, dem heutigen Nordkorea. Er verbrachte dort zwei Jahre als Prediger und fast drei Jahre als Gefangener in einem Arbeitslager, aus dem er zu Beginn des Koreakrieges befreit wurde.
Als Moon zehn Jahre alt war, trat seine Familie der Presbyterianischen Kirche bei. Sechs Jahre später kam es zur großen Tragödie in der Bauernfamilie, als fünf von dreizehn seiner Geschwister verstarben. In diese Zeit fiel das persönliche Buß- bzw. Bestimmungserlebnis Moons, in dem er gelobte, für Jesu Werk auf der Erde leben zu wollen.

Das Heilereignis: Moons Hochzeit

Im Alter von 40 Jahren heiratete Moon die 17jährige Hak-Ja Han, die Tochter einer Anhängerin. Dieses Ereignis wurde endzeitlich gedeutet. Für seine Anhänger ging 1960 das „Neue-Testament-Zeitalter“ zu Ende und es begann das „Erfüllte-Testament-Zeitalter“. Ab jetzt wird der neue Messias Osten und Westen versöhnen, das biblische Schöpfungsideal wird erfüllt, den Menschen wird Frieden gebracht, und Gott wird getröstet. Dieser Weg wurde im Grundlagenwerk der Vereinigungskirche, dem Göttlichen Prinzip, als Plan Gottes festgelegt. Neben diesem Text gibt es eine Vielzahl von aktuellen Lehrreden Moons.

Die vielen Gesichter der Vereinigungsbewegung

Die Ausdehnung der Bewegung nach Japan und der USA erfolgte in Richtung „nichtkommunistischem Westen“. Im Vordergrund standen das Zusammenleben in Zentren, die Vollzeitmission und der Straßenvertrieb von Heimerzeugnissen; in den Hintergrund rückte in Japan der Korea-Bezug der Religion.
Der Missionszweig mit Zentrum Washington betonte die Lehren Moons über den dämonischen Kommunismus. Weiters prägten die Studentenorganisation CARP und die Ehe-Segnungen in Großgruppen das öffentliche Erscheinungsbild. Später kamen eine neue Tageszeitung – The Washington Times – und neuen internationalen Initiativen wie z.B. CAUSA, die Antikommunismus in ganz Amerika betrieb, oder NEW ERA, einer interreligiösen Einrichtung, dazu.

Das messianische Programm der Wiederherstellung

Die Vereinigungslehre geht von einem nicht sichtbaren Bauplan der Wirklichkeit aus: den „vier Positionen“. Bildlich vorgestellt stehen diese in Form eines Karo-Musters zueinander in Beziehung. Aus dem Ursprung (obere Position 1) gehen getrennt voneinander das Subjekt (Position 2) und das Objekt (Position 3) hervor, die zur Einheit (untere Position 4) führen. Die „vier Positionen“ der biblischen Paradiesordnung lauten: Gott schuf Adam und Eva, dass sie gute Kinder bekommen.

     Ursprung              Gott
Subjekt ◊ Objekt     Adam ◊ Eva
       Einheit         Kind

Durch den Sündenfall herrscht eine zweite, falsche Ordnung. In ihr hat Satan die übergeordnete Position inne, d.h. die Nachkommen von Adam und Eva stehen in satanischer Blutslinie. Die Rückführung zur ersten Ordnung gelingt laut Moon nur durch eine vollkommene Unterordnung unter Gott. Der Rettungsplan sieht also folgende Stufen vor: Gott beruft einen neuen Messias mit seiner Braut, die beide mit vollkommenen Nachkommen eine ideale Welt schaffen.
Die drei Verheißungen zum idealen Menschen, zu idealen Nachkommen und zu einer idealen Welt sollten sich schon 1981 – dem Jahr der Wiederherstellung – erfüllen, da es drei mal sieben Jahre nach der Hochzeit Moons lag. Mit diesem konkreten Zeitpunkt vor Augen begannen seine Anhänger 1975 einen weltweiten Missionseinsatz.

Das Heilsangebot: Paarsegnungen

Dabei erfolgte der Wechsel zwischen satanischer und vollkommener Blutlinie. Moon trat wie ein Familienoberhaupt auf und führte den koreanischen Brauch, fremde Partner zu einer arrangierten Ehe zusammenzuführen, in seine Gemeinschaft ein. Wer sich als unverheiratetes Mitglied sieben Jahre lang verdienstvoll für Moon aufgeopfert hatte, konnte diese besondere Weihe erlangen. In den 1980er Jahren kam es zu einem Babyboom, und viele Familien zogen in die Herkunftsländer der Väter und gründeten dort Hauskirchen.

Zum zweiten Versuch: Familienföderation

Das Ende des Kalten Krieges beflügelte Moons Vision, den Kommunismus zu Fall zu bringen und den Weltfrieden herbeizuführen. So wurden 1996 die „Familienföderation für Weltrieden und Vereinigung“ gegründet und Vierer-Teams – zusammengesetzt aus vier Ehepaaren aus den Ländern Japan, Korea, den USA und aus Europa – wurden zu einem weltweiten Missionseinsatz ausgesandt. Sie brachten die klare Botschaft mit: der Messias sind „Vater und Mutter Moon“, denen es gelungen ist, als „wahre Eltern“ eine mehrere Generationen übergreifende Familie zu gründen und eine „Nation der Einheit auf Erden“ (kor. Cheon Il Guk) zu errichten.

Messias-Status und Nachfolger-Status

Der lange als Nachfolger vorgesehene Sohn, Hyun Jin Preston Moon (geboren 1969), ist für die Universale Föderation für Weltfrieden tätig, einem Gegenmodell zur UNO. Seine Schwester In Jin Tatjana Moon (geboren 1965) führt die Familienföderation in den USA an. Am 18. April 2008 wurde ihr jüngster Bruder, Hyung Jin Sean Moon (geboren 1979), zum Präsident der internationalen Familienföderation und der Vereinigungskirche in Südkorea ernannt. Sein Bruder Kook Jin Justin (geboren 1970) wurde Vizepräsident, verantwortlich für den Konzernbereich in Südkorea.

Zwei fundamentale Lehränderungen

Beide Reformen hat Moon selbst begonnen. Die erste betrifft die Ehe-Segnung, die seit 1992 auch für Nichtmitglieder möglich ist. Sie wird als interreligiöses Friedensritual zur Familien- und Weltvereinigung angesehen. Vor der Feier wird das Versprechen geleistet, die „wahren Eltern“ zu respektieren, als „wahre Familie“ leben zu wollen und sich für den Weltfrieden zu engagieren. Die Aufgabe der Familienföderation ist es, sich um diese gesegneten Paare zu kümmern.

Die Lehre von der Geistigen Welt

Um das Thema ewiges Leben dreht sich die zweite Reform. Die „wahren Eltern“ Moon sind 2004 nach Südkorea zurückgekehrt, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. Damit wird der Blick der Vereinigungsleute deutlich auf die jenseitige Lebensphase gelenkt. Die Moongläubigen können durch ein vorbildliches Leben für ihr eigenes Wohlergehen im Jenseits vorsorgen und auch einen Beitrag zur Entwicklung ihrer verstorbenen Angehörigen leisten. Die „Geistmenschen“ können vom Jenseits aus mit den Erdbewohnern Kontakt aufnehmen und mit diesen zusammenwirken. So kann Moon nach seinem irdischen Ableben weiter die Bewegung als Geist mitbestimmen.

 

Ausführlicher: Wolfgang Mischitz, Weniger Vereinigungskirche und dafür mehr Familienföderation, in: Neureligionen im Wandel, Werkmappe "Sekten, religiöse Sondergemeinschaften, Weltanschauungen" Nr.98, S. 81-91, Wien 2011

(Wolfgang Mischitz 2011)




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